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Stellungnahme | Keine Gefährder-Listen – Menschen brauchen Hilfe, keine Erfassung

    Die LAG APB positioniert sich angesichts der zunehmenden gesellschaftlichen Diskussion über psychisch erkrankte „Gefährder“ und deren mögliche Erfassung in Listen mit einer klaren Stellungnahme.

    In der aktuellen politischen Debatte fehlt allzu oft die grundlegende Erinnerung daran, dass wir von Menschen sprechen, die Hilfe benötigen – nicht von abstrakten Sicherheitsrisiken. Diese Entmenschlichung der Diskussion bereitet uns als Angehörige große Sorge.

    Was die Fakten sagen

    Wir schließen uns der Resolution der Fachtagung „50 Jahre Psychiatrie-Enquête“ vom Juni 2025 an, die von 14 Fachverbänden getragen wird. Die wissenschaftliche Lage ist eindeutig: Schwere Gewalttaten von psychisch erkrankten Menschen haben nicht zugenommen – zugenommen hat lediglich die Berichterstattung, insbesondere in sozialen Medien. Psychisch erkrankte Menschen werden deutlich häufiger Opfer als Täter. Das statistisch erhöhte Risiko bezieht sich zudem primär auf das nahe Umfeld, nicht auf Fremdgefährdung im öffentlichen Raum.

    Warum Gefährder-Listen niemanden schützen

    Die pauschale Weitergabe von Daten macht psychisch erkrankte Menschen zu Bürgern zweiter Klasse, ist praktisch nicht umsetzbar, erhöht die Stigmatisierung und schreckt gerade diejenigen von Hilfe ab, die sie am dringendsten brauchen. Diese Maßnahmen widersprechen sowohl den Grundrechten als auch den Zielen einer wirksamen Gemeindepsychiatrie.

    Was Brandenburg stattdessen braucht

    Statt auf Ausgrenzung zu setzen, braucht es das Grundrecht auf Wohnen für die wachsende Gruppe obdachloser psychisch erkrankter Menschen, den Ausbau aufsuchender und nachgehender Behandlung, verbindliche Kooperation aller Leistungserbringer in den Regionen und verbindliche Kommunikation – auch mit Sicherheitskräften – aber mit dem Ziel gemeinsamer Zuständigkeit, nicht der Verschiebung von Verantwortung.

    Aus Sicht der Angehörigen

    Als Angehörige erleben wir täglich, wie unsere psychisch erkrankten Familienmitglieder unter Stigmatisierung leiden. Weitere Ausgrenzung durch Gefährder-Listen würde das Vertrauen in das Hilfesystem zerstören, Behandlungsabbrüche fördern und Familien zusätzlich belasten.

    Die überwältigende Mehrheit psychisch erkrankter Menschen ist nicht gefährlich, sondern hilfsbedürftig. Brandenburg hat die Chance, bundesweit Vorbild zu sein für eine menschenrechtsorientierte, gemeindepsychiatrische Versorgung. Nutzen wir diese Chance.


    Weiterführende Links:

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